Essstörungen

Drei große Gruppen der Essstörungen sind laut ICD-10 der WHO zu finden:

Anorexia Nervosa F50.0

Die Anorexia (auch Magersucht genannt) ist durch einen absichtlich selbst herbeigeführten oder aufrechterhaltenen Gewichtsverlust charakterisiert. Am häufigsten ist die Störung bei heranwachsenden Mädchen und jungen Frauen; heranwachsende Jungen und junge Männer, Kinder vor der Pubertät und Frauen bis zur Menopause können ebenfalls betroffen sein. Die Krankheit ist mit einer spezifischen Psychopathologie verbunden, wobei die Angst vor einem dicken Körper und einer schlaffen Körperform als eine tiefverwurzelte überwertige Idee besteht und die Betroffenen eine sehr niedrige Gewichtsschwelle für sich selbst festlegen. Es liegt meist Unterernährung unterschiedlichen Schweregrades vor, die sekundär zu endokrinen und metabolischen Veränderungen und zu körperlichen Funktionsstörungen führt. Zu den Symptomen gehören eingeschränkte Nahrungsauswahl, übertriebene körperliche Aktivitäten, selbstinduziertes Erbrechen und Abführen und der Gebrauch von Appetitzüglern und Diuretika.

Bulimia nervosa F50.2

Ein Syndrom, das durch wiederholte Anfälle von Heißhunger und eine übertriebene Beschäftigung mit der Kontrolle des Körpergewichts charakterisiert ist. Dies führt zu einem Verhaltensmuster von Essanfällen und Erbrechen oder Gebrauch von Abführmitteln. Viele psychische Merkmale dieser Störung ähneln denen der Anorexia nervosa, so die übertriebene Sorge um Körperform und Gewicht. Wiederholtes Erbrechen kann zu Elektrolytstörungen und körperlichen Komplikationen führen. Häufig lässt sich in der Anamnese eine frühere Episode einer Anorexia nervosa mit einem Intervall von einigen Monaten bis zu mehreren Jahren nachweisen.

Binge Eating Disorder F50.9

Bei der Binge Eating Disorder (BED) stehen psychische Symptome im Vordergrund. Als so genanntes Leitsymptom gelten Essanfälle, die typischerweise mit Kontrollverlust einhergehen. Während der Essanfälle werden unterschiedlich große Mengen an Nahrungsmittel, schnell, oft wahllos durcheinander und ruhelos bis zu einem unangenehmen Völlegefühl verzehrt. Gegessen wird in Folge der Schamgefühle meist alleine oder im Versteckten. Oftmals empfinden Patienten mit einer Binge Eating Disorder Ekel, Deprimiertheit oder Schuldgefühle sich selbst gegenüber. Im Anschluss an Essanfälle führen manche Patientin mit BED Kompensationsversuche durch, wie z.B. Auslassen von Mahlzeiten oder vermehrte körperliche Betätigung. Diese unterscheiden sich jedoch von den typischen Gegenmaßnahmen bulimischer Patienten bezüglich Regelmäßigkeit und Intensität. Das Auftreten regelmäßiger Essanfälle führt zu einer Beeinträchtigung der allgemeinen psychischen Befindlichkeit und ist mit einem erhöhten Leidensdruck verbunden.