Borderline

„an der Grenze, grenzwertig“ – das bedeutet Borderline F60.3

Eine Persönlichkeitsstörung mit deutlicher Tendenz, Impulse ohne Berücksichtigung von Konsequenzen auszuagieren, verbunden mit unvorhersehbarer und launenhafter Stimmung.

Es besteht eine Neigung zu emotionalen Ausbrüchen und eine Unfähigkeit, impulshaftes Verhalten zu kontrollieren. Ferner besteht eine Tendenz zu streitsüchtigem Verhalten und zu Konflikten mit anderen, insbesondere wenn impulsive Handlungen durchkreuzt oder behindert werden.

Schon im 17. Jahrhundert schrieb der englische Arzt Thomas Sydenham über diese Krankheit: „Sie lieben diejenigen ohne Maß, die sie ohne Grund hassen werden“. Er beschrieb damit treffend die häufig bei Borderline auftretende heftige Wut, die Schmerzen und die Angst der Betroffenen. Der Begriff Borderline selber wurde 1884 von C.H. Hughes für Störungsbilder eingeführt, um die sich nicht eindeutig in die damals vorherrschenden Haupt-Kategorien Neurosen und Psychosen einordnen zu können.

Die Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) wird auch emotional instabile Persönlichkeitsstörung genannt. Neben impulsiven Handlungen wie etwa unkontrollierte Wutausbrüchen verspüren die Betroffenen oft eine große innere Leere, Selbstzweifel und haben Angst, verlassen zu werden. Gleichzeitig fürchten sie aber auch eine Nähe zu anderen Mitmenschen, was häufig zu zwar intensiven, aber unbeständigen Beziehungen führt. Zum Erscheinungsbild gehören daher sehr wechselhafte Stimmungen und Affekte, ein zerrüttetes Selbstbild, sehr unterschiedlich ausgeprägte Arten von traumabedingten Dissoziationen und damit verbundene Autoaggression sowie extreme zwischenmenschliche Sensibilität und extremes Emotionsgedächtnis. Vor allem die letzten beiden Symptome sind häufig Ursache für soziale Konflikte.
Grundsätzlich können die Symptome bei den Betroffenen sehr unterschiedlich sein; viele davon gibt es sogar gegenteilig. Die Stärke der Störung ist von Person zu Person individuell, ebenso das damit verbundene Leiden und die individuellen Belastungserscheinungen. Es ist jedoch immer eine seelische Dauerbelastung gegeben, das Leben Betroffener ist nachhaltig beeinträchtigt. Die meist schon in der Kindheit und Jugend beginnende Borderline-Störung gehört zu den am häufigsten diagnostizierten Persönlichkeitsstörungen.

Quelle: lexikon.stangl.eu